Besser leben! Selbstfürsorge für Lehrkräfte – Evaluation der kurz- und mittelfristigen Effekte einer Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahme für Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen

Zwischen 2011 und 2014 wurde am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau die Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahme Besser leben! Selbstfürsorge für psychosoziale Fachkräfte entwickelt und evaluiert. Aufgrund der guten präventiven Wirksamkeit der Intervention wird das Seminar nun im Rahmen eines BMBF-Projektes auch für Lehrkräfte angepasst und evaluiert. Das Vorhaben ist damit zu begründen, dass zahlreiche Studien die vielfältigen Belastungen dokumentieren, denen Lehrkräfte in ihrem Arbeitskontext ausgesetzt sind. Hierzu zählen zum Beispiel neben vollen Schulklassen und Schullärm, der Umgang mit störenden Schüler*innen, Konflikte unter Schüler*innen oder Konflikte mit Eltern [1][2]. Diese Belastungsfaktoren können sich bei Lehrkräften aller Schularten unter anderem in Erschöpfung und Müdigkeit, Kopfschmerzen, Angespanntheit, Antriebslosigkeit, Schlaf- und Konzentrations­störungen, innere Unruhe und erhöhter Reizbarkeit äußern [3]. Das Besser leben!-Seminar zielt darauf ab, arbeitsbedingten Belastungsfolgen, die aus Stresserleben resultieren, vorzubeugen.

Im Rahmen des Projektes soll zunächst in einer Pilotstudie mit max. 12 Lehrkräften untersucht werden, ob die Inhalte des Besser leben!-Seminars den Bedürfnissen und der Arbeitsrealität der Berufsgruppe der Lehrkräfte entsprechen und welche Anpassungen gegebenenfalls erforderlich sind. Die Seminarteilnehmer*innen bewerten hierzu neben den Inhalten und Abläufen auch die Rahmenbedingungen der Seminardurchführung. Um das Besser leben!-Konzept bestmöglich an die Bedürfnisse von Lehrkräften anzupassen, werden im Zuge der Pilotstudie zusätzlich Schulleitungen um ihre Einschätzung zur Umsetzung des Konzeptes gebeten.

Auf Basis der Erkenntnisse der Pilotstudie wird das Seminarkonzept für Lehrkräfte angepasst. In einer dann folgenden großangelegten Evaluationsstudie wird die Wirksamkeit der Intervention untersucht. Hierzu nehmen insgesamt etwa 150 Lehrkräfte aus allgemeinbildenden Schulen an dem Seminar teil. Während der Studie werden die Teilnehmer*innen regelmäßig zu verschiedenen Aspekten, wie z. B. dem Stresserleben, der psychischen Befindlichkeit und der Selbstfürsorge befragt.

Unter der Voraussetzung, dass sich das Seminar auch bei Lehrkräften als präventiv wirksam erweist, ist die großflächige Implementation der Intervention „Besser leben! Selbstfürsorge für Lehrkräfte“ vorgesehen.

Besondere Herausforderungen durch Covid-19

Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten bislang keine Präsenzveranstaltungen stattfinden, so dass das Forschungsprojekt nicht wie geplant starten konnte. Zudem sind Lehrkräfte im Moment mit weiteren Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie konfrontiert. Um in Erfahrung zu bringen, wie das Forschungsprojekt unter den derzeitigen Bedingungen erfolgreich umgesetzt werden kann, wurde im Juli und August 2020 eine Interviewstudie durchgeführt. In dieser wurden Lehrkräfte, Schulleiter*innen und Schulpsycholog*innen um ihre Einschätzung gebeten. Die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass Selbstfürsorge für Lehrkräfte auch bzw. insbesondere in Zeiten der Covid-19-Pandemie ein relevantes Thema ist. Ein wesentlicher Teil der Befragten ist der Meinung, dass Lehrkräfte auch online an einem Seminar zur Selbstfürsorge teilnehmen würden.  Aufgrund der Untersuchungsergebnisse und der derzeitigen Entwicklung der Covid-19-Pandemie, wird das Besser leben!-Konzept derzeit angepasst, so dass voraussichtlich im März 2021 die Pilotstudie im Online-Format durchgeführt werden kann.

 

Quellen

[1] Krause, A. & Dorsemagen, C. (2014). Belastung und Beanspruchung im Lehrerberuf – Arbeitsplatz- und bedingungsbezogene Forschung. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland (Hg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf. 2., überarb. und erw. Aufl. Münster: Waxmann, S. 987-1013.

[2] Klusmann, U. & Waschke, N. (2018). Gesundheit und Wohlbefinden im Lehrerberuf. Göttingen: Hogrefe.

[3] Scheuch, K., Haufe, E. & Seibt, R. (2015). Lehrergesundheit. Deutsches Ärzteblatt 2015, 112(20), 347–356.