Selbstfürsorge

Warum ist die Selbstfürsorge so bedeutsam?

In den letzten Jahren hat sich die Arbeitswelt deutlich gewandelt. Die psychischen Anforderungen, die an Arbeitnehmer gestellt werden, haben stark zugenommen. Zeit- und Termindruck, eine hohe Arbeitsmenge und ständige Unterbrechungen sind nur drei Beispiele hierfür und zählen zu den  Spitzenreitern unter den Belastungsfaktoren. Hinzu kommt, dass gesellschaftliche Entwicklungen und technische Neuerungen Stressoren hervorbringen, die ebenfalls belastend sein können, so z. B. die dauerhafte Erreichbarkeit, die Informationsfülle sowie die erforderliche Mobilität und Flexibilität. Als Folge dieser Entwicklungen werden psychische Beanspruchungen, wie z. B. Stresserleben und Erschöpfung (Burnout) aber auch psychische Erkrankungen, bei Arbeitnehmern zunehmend bedeutsamer.

Erst seit geraumer Zeit wird der Selbstfürsorge vermehrt Bedeutung beigemessen. Die Popularität des Konzepts ist wohl durchaus im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen zu sehen. Selbstfürsorge scheint gewissermaßen ein Gegenentwurf zu gestiegenen (Arbeits-)Anforderungen und daraus resultierenden Folgen wie Stresserleben und Burnout zu sein. Auch die Zunahme von Arbeitsunfähigkeitstagen und Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen macht deutlich, dass es Wege der Prävention braucht (Bundespsychotherapeutenkammer, 2015; Deutsche Rentenversicherung Bund, 2014). Eine gute Selbstfürsorge – so zeigen erste Forschungsbefunde – bringt einen solchen präventiven Nutzen mit sich (Dahl, 2017).


Was ist Selbstfürsorge?

Bislang gibt es keine allgemeingültige Definition des Begriffes Selbstfürsorge. Auf Basis umfassender Literaturrecherchen und Trainingserfahrungen wurde folgendes Begriffsverständnis entwickelt:

Dieses Verständnis spiegelt zwei wesentliche Aspekte der Selbstfürsorge wider: Selbstfürsorge findet einerseits Ausdruck in einer bestimmten Haltung sich selbst gegenüber, die von Liebe und Wertschätzung geprägt ist. Zum anderen geht die Selbstfürsorge unabdingbar mit aktivem Handeln einher – mit dem Ziel, das eigene Wohlergehen sowohl psychisch als auch physisch sicherzustellen.

 

Aktuelle Forschungsergebnisse

Am zepf wurde die Intervention „Besser leben! Selbstfürsorge für psychosoziale Fachkräfte“ konzipiert. Hintergrund hierfür sind die hohe psychische Belastung und das ausgeprägte Stress- und Erschöpfungserleben in diesem Berufsfeld. Ziel des Seminarkonzeptes ist es, Belastungsfolgen wie Burnout oder psychischen Erkrankungen vorzubeugen und die psychische Gesundheit zu stärken.

Das Seminarkonzept besteht aus fünf Einheiten, die jeweils einen Umfang von 4 Stunden haben. Neben der Förderung der Selbstfürsorge nimmt auch die Schulung in Achtsamkeit einen wichtigen Stellenwert ein. In den Seminareinheiten wechseln sich theoretische Inputs, Reflexionen, Übungen und der Austausch zwischen den Teilnehmern ab. Am Ende jeder Einheit erhalten die Teilnehmer Impulse mit Ideen, wie das Gelernte in den (Arbeits-)Alltag einfließen kann.

In einer großangelegten Studie mit 84 Fachkräften der psychosozialen Arbeit wurde die Wirksamkeit des Seminarkonzeptes überprüft. Bei den Seminarteilnehmern konnten u. a. eine Reduktion des Stresserlebens und des Ausmaßes an Erschöpfung sowie eine Erhöhung der Achtsamkeit und der Selbstwirksamkeit nachgewiesen werden. Ebenso zeigte sich eine Verbesserung der Selbstfürsorge. Qualitative Angaben belegen, dass viele der Teilnehmenden begonnen haben, aktiv zu ihrem Wohlergehen beizutragen. Dies tun sie einerseits, indem sie ihre Ressourcen (wie z. B. Achtsamkeit, Bewegung, Entspannung) bewusster nutzen und leben. Andererseits werden Belastungen reduziert, bspw. durch die Reduktion von Aufgaben. Auch im Hinblick auf den Umgang mit Stress sind deutliche positive Veränderungen erkennbar. So wird das Stressaufkommen frühzeitig wahrgenommen. Viele versuchen, Stress gar nicht erst entstehen zu lassen, beispielsweise durch eine bessere Planung des Arbeitstages. Auch veränderte Haltungen, die durch mehr Ruhe und Gelassenheit gekennzeichnet sind, halten das Stressaufkommen in Grenzen. Um Aufschluss über die langfristige Wirksamkeit der Intervention zu erhalten, wurden alle Probanden ca. drei Jahre nach ihrer Seminarteilnahme erneut befragt. Alle Ver­änderungen konnten auch nach diesem langen Zeitraum nachgewiesen werden, was für den nachhaltigen präventiven Nutzen der Intervention spricht (Dahl, 2018a, 2018b).


Publikationen

Dahl, C. (2018a). Warum es sich lohnt, gut für sich zu sorgen. Über den langfristigen Nutzen der Selbstfürsorge – Ergebnisse zweier empirischer Studie. Prävention und Gesundheitsförderung. Online first. https://doi.org/10.1007/s11553-018-0650-5

Dahl, C. (2018b). Ein Plädoyer für mehr Selbstfürsorge. Über den präventiven Nutzen der Selbstfürsorge am Beispiel psychosozialer Fachkräfte. Prävention und Gesundheitsförderung, 13 (2), 131-137. https://doi.org/10.1007/s11553-017-0626-x


Bisherige Vorträge und Fortbildungen des Arbeitsbereiches zum Thema Selbstfürsorge

  • Seminar: „Besser leben! Selbstfürsorge für psychosoziale Fachkräfte“
    (2013/2014)
  • Kurz-Workshop: „Selbstfürsorge für Hospizbegleiter – Ressourcen im Alltag nutzen“
    (2014, Ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Landau/Südliche Weinstraße)
  • Vortrag: „Selbstfürsorge – persönliche Ressourcen entdecken“
    (2015, Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises, Homburg)


Quellen

BundesPsychotherapeutenKammer (Hrsg.). (2015). BPtK-Studie zur Arbeitsunfähigkeit. Psychische Erkrankungen und Krankengeldmanagement 2015. Zugriff am 06.06.2015. Verfügbar unter http://www.bptk.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/BPtK-Studien/ psychische_Erkrankungen _Krankengeldmanagement/20150305_bptk_au-studie_psychische-erkrankungen_und_krankengeldmanagement.pdf

Dahl, C. (2017). Selbstfürsorge für psychosoziale Fachkräfte. Eine Studie zur psychischen Bean­spruchung und zu beruflichen Belastungsfaktoren sowie Evaluation einer Gesund­heits­för­derungs­maßnahme zur Stärkung der Selbstfürsorge im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie. Landau: Verlag Empirische Pädagogik.

Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.). (2014). Rentenversicherung in Zeitreihen 2014 (DRV-Schriften Nr. 22). Zugriff am 31.03.2015. Verfügbar unter http://www.deutsche-rentenversichrung.de/cae/servlet/contentblob/238700/ publicationFile/62588/03_rv_in_zeitreihen.pdf